Lehrfahrt der Holstein Jungzüchter

Am Samstag den 21. März 2015 erwartete den Südtiroler Holsteinzüchter ein kunterbuntes Programm der Extraklasse: die beiden Holsteinzuchtbetrieben „Weberhof“ in Mils/Tirol und „Sprenger Holsteins“ in Fügen/Zillertal. Da es sich auch super verbinden ließ, stand am Abend noch der Besuch des Pinzgauer Jungkuhchampionat in Maishofen/Salzburg auf dem Programm, wo auch die Kollegen aus Südtirol mit 4 Tieren an den Start gingen.

Um 08.30 Uhr wurde in Bozen gestartet und die Anreise zum „Weberhof“ in Mils der Familie Mair gestaltete sich trotz einigen Staus recht zügig- dank des kompetenten und flotten Buschauffeurs!

Pünktlich um 11.00 Uhr begrüßte uns Mair Walter bereits mit einem schmackhaften „Holbmittog“- hofeigenes Natur-Joghurt nach verschiedenen Fruchtzubereitungen. Besonders das „Pinacolada-Joghurt“ fand unter den Jungzüchtern großen Anklang.

Der „Weberhof“ ist ausschließlich auf die Produktion von Milch in höchster Qualität und der Zucht von langlebigen, leistungsbereiten und schönen Holsteinkühen mit einem guten Charakter ausgerichtet.

1993 war der Startschuss für die ersten Holsteinkühe auf dem Weberhof. Bis dahin wurden vorwiegend FLxHF-Kühe gemolken. Da aber aus diesem Kreuzungsprodukt die Sicherheit der Nachkommen nur bedingt gewährleitet wurde- vor allem was die Euterqualität anbelangte, entschied Familie Mair sich auf die Rasse Holstein zu spezialisieren. Seit 1997 wird nun hauptsächlich mit Holsteins rot und schwarz gearbeitet. Die Erfolge auf Schauen und die vielen 100.000 Liter Kühe (zur Zeit stehen 10 Kühe mit über 100.000kg Lebensleistung im Stall!) bringen dem Betrieb den Beweis, dass dies der richtige Weg war. Mittlerweile konnte sich Familie Mair einen Namen aufbauen und so ist es bis heute möglich, fast alle Tiere Ab-Hof zu vermarkten. Auch Zuchtstiere aus den eigenen Reihen oder aus Embryopaketen finden unter den Kunden immer mehr Gefallen.

Der Betrieb setzt bei der Auswahl der Zuchtstiere fast ausschließlich auf Kanadische Kuhlinien. Bedingt durch das viele Goldwyn-Blut setzt Walter vermehrt auf Man-O-Man- Linien, die seiner Meinung nach mit guten Inhaltsstoffen, starken Fundamenten und flachen Laktationskurven punkten können. Die Prädikate Langlebigkeit, hohe Eutergesundheit und gute Fundamente erbringen den Beweis. So ist die Qualität der Produkte die den Hof verlassen, sei es bei der Milch oder beim Zuchtvieh, gesichert und spiegelt sich in der Zufriedenheit der Kunden wieder. 30 Stück verlassen jedes Jahr den Weberhof Richtung Italien, vor allem nach Südtirol, das sich als bester Absatzmarkt auszeichnet! Seit dem IBR-IBV Fall im Februar 2015 sind die Verkaufsauflagen verschärft geworden. Betriebe, mit viel Viehvermarktung müssen nun dank der hohen Gesundheitskriterien eine Mehrzahl an Blutproben aus eigener Tasche (40€/Kuh) entrichten. Auch für das Almvieh werden zukünftig solche Proben verlangt. „Ein immenser Kostenpunkt für jeden Bauer, wo aber die Politik noch keine Regelung gefunden hat…,“ so Walter Mair.

Im Jahre 2014 wurden 700.000kg Milch mit 4,10%Fett und 3,55%Eiweiss bei durchschnittlich 70.000Zellen gemolken. Seit 2011 werden die 60 Melkkühe mit einem A4 Lely-Astronaut 3x am Tag gemolken. Euter- und Zitzenqualität (keine Zitzenausstülpung, hohe Euter v.a. bei älteren Kühen), aber v.a. die Milchqualität hat sich seit der Einführung des Melkroboters stetig gesteigert! Auch bei den Kühen ist der Melkroboter durchaus beliebt und so stehen sie schon „Schlange“ um endlich gemolken zu werden. Vielleicht auch aus dem Grund, da sie in der Robotermelkbox ihr Kraftfutter (je nach Milchleistung) zugeteilt bekommen. Gleichzeitig wird die Kuh auch gewogen, die Temperatur überwacht und das Fett/Eiweiß der Milch bestimmt. Also beste Kontrollaussichten für den Betrieb! Für die Zukunft möchte Familie Mair 20.000kg Milch/ha mehr erwirtschaften.

Dem Betrieb stehen Futterflächen mit 23ha Mais, 24ha Luzerne und noch einige Flächen als Dauergrünland für Weidehaltung zur Verfügung. Als Almfläche steht den Jungtieren die 190ha große Gemeinschaftsalpe „Bächtental“ zur Verfügung. Allerdings weist Walter auf die Probleme des stetig steigenden Pachtzinses hin. Mittlerweile sind Preise von 1.000-3.000€ Gang und Gebe. Zudem zwingen die fehlenden Ausgleichszahlungen und ein Milchpreis von 0,34€/kg Milch (bei 0,50€ Produktionskosten) viele Milchbauern zur Auflösung des Betriebes bzw. ist zu bemerken, dass viele auf Ziegen- oder Schafhaltung umsatteln; oder die Flächen den wachsenden Gemüsebauern verpachten/verkaufen. Große Sorge bereitet Mair Walter, der selbst im Bezirksbauernrat vertreten ist, die wachsende Zahl der „Höfeflucht“ der jungen Generation- sei es auf dem Berg wie auch auf dem Lande!

Weiterer Stolperstein für die Landwirtschaft ist die Einführung der Stickstoff-Obergrenze: d.h. 170kg Stickstoff/ha entspricht 1,3 Kühe/ha und zudem wird die Milchleistung dafür herangezogen

Familie Mair hat früh genug erkannt, ein weiteres Standbein aufzubauen und so wurde 2008 eine eigene Hofmolkerei in Betrieb genommen. Dort werden jährlich 300.000kg Milch (der Rest wird an „Pinzgau Milch“ abgeliefert) zu frischen Milchprodukten wie Natur-Joghurt und Sauermilch veredelt. Die Frischmilch wird in 1 Liter Tetra-Pack abgefüllt. Direkt am Hof können die (Stamm)Kunden rund um die Uhr beim Selbstbedienungsautomaten Produkte erwerben. Mit Stolz kann Walter behaupten, dass er auf eine zufriedene und ehrliche Kundschaft setzen kann: das Monatsinkasso stimmt bis auf den letzten Cent immer überein!

Seit Oktober 2013 stehen im Hofautomaten auch frische „Weberhof-Eier“ aus Freilandhaltung zum Verkauf. Mit eigener Abpackstelle und einem Preis von 0,30€/Ei ist Walter durchaus zufrieden mit seiner neuen Investition. Der gute Absatz, bedingt durch die vorteilhafte Hoflage (menschennah) lässt Walter einen zusätzlichen Hühnerstall bauen.

Über die Zukunft des „Weberhofes“ braucht sich Walter und seine Frau Monika mal vorerst keine großen Sorgen zu machen. Alle 4 Kinder sind begeisterte Jungzüchter und sehr interessiert. Auf der Jungzüchterlandesschau in Rotholz 2010 heimsten alle 3 Töchter den Vorführ- und Typsiegsieg ein und konnten so den Titel des Landesreservechampion der Holsteinkühe mit nach Hause nehmen.

„Sicher nicht wachsen oder weichen, sondern als bodenständiger Familienbetrieb mit dieser Größe, die nächsten Generationen zu ernähren und eine Lebensqualität zu bieten…,“ verabschiedete sich Walter Mair und gab uns noch einige „Pinacolada-Joghurt“ mit auf die Weiterfahrt.

Gestärkt mit einem kräftigen Mittagsessen in Mils flitzte der 20-Sitzer-Bus nach Fügen ins Zillertal zum Holsteinzuchtbetrieb „Sprenger Holstein“. Dort wohnt niemand geringeres als „Rosanna EX93“ (Rubens RC)!

Willkommen geheißen wurde die Truppe von der ganzen Familie Sprenger und schon gleich ging es zum Herzstück des Betriebes: in den Stall zu den Kühen.

„Sprenger Holsteins“ ist ein Milchvieh- und ZUchtviehbetrieb mit einer Milchquote von 450.000kgKontingent.

Den Sommer aber verbringt das ganze Vieh auf der hofeigenen Alm mit 173ha in 1.300 m ü.d.M. Dort wird fleißig gemolken und die Milch als „Heumilch“ verkauft. Auch wenn es für die Familie einen großen Mehraufwand bedeutet (Futterente im Tal, Stallarbeit auf der Alm), können sie sich jedes Jahr von diesem Konzept überzeugen lassen und die Lebensqualität der Tiere zollt ihnen den Dank hierfür. Die Kühe verbringen lange 2 Monate auf der Alm und können nachts die frische Bergluft genießen. Das Jungvieh verbleibt dann 120 Tage im Jahr auf 1300m.

Neben der Alm bewirtschaftet der Betrieb noch 26 ha im Tal- davon 6ha Mais und der Rest Grünland und Dauergrünland für die Weidehaltung. Bei einigermaßen guten Sommerbedingungen kann auch der 4. Schnitt eingefahren werden und der Rest steht als Weide den Kühen zur Verfügung.

Auch Familie Sprenger kann über die stetigen Pachtpreise nur den Kopf schütteln. Mittlerweile sind sie vor Ort auf 1.400€/ha angestiegen- bei einem Milchpreis von 0,34€/kg ist so jedem Betrieb Handlungsgeschick und bestes Betriebsmanagement gefordert!

„Sprengers Holstein“ hat sich in den letzten Jahren als Aushängeschild für beste Holsteingenetik made by Austria bewiesen.

Erstmalig in der Österreichischen Holsteingeschichte schaffte es der Betrieb, dass in der dritten Generation geboren in Österreich eine Kuh Exzellent eingestuft wurde.

Für diese Leistung erfordert es ein großes züchterisches Fachwissen gepaart mit optimaler Tierbetreuung. Stammmutter dieser außerordentlichen Leistung ist die mit 92 Punkten EX eingestufte Großmutter EDELWEISS EX92 (Outside), welche mittlerweile mit 15 Jahren schon eine Lebensleistung von 145.000 Milch-kg erreicht hat. Die Tochter von EDELWEISS ist niemand Geringeres als ROSANNA EX93(+90.000kg Milch). In Nichts steht den großartigen Vorfahren die Enkelin von EDELWEISS und ROSANNA-Tochter ROSALINA EX91 (Joyboy) nach. Alle drei Kühe sind geboren in Österreich und verkörpern ideal das Zuchtziel von Exterieur, Leistung und Langlebigkeit.

Mit ROSANNA konnte Familie Sprenger Zuchtgeschichte schreiben! Unvergessen bleibt der Sieg auf der Deutschen Holsteinschau 2013 in Oldenbourg: bei den Altkuhgruppen holte ROSANNA den Gruppensieg und wurde anschließend im Finale zum Bundesreservechampion bei den Altkühen gekürt. Damit errang sie nach der Holstein Europaschau in Freiburg/Schweiz Anfang März einen weiteren großen Erfolg für die österreichische Rinderzucht-3. Rang hinter den beiden Überkühen Senior-Reservesiegerin „Ashlynvray Goldwyn“ von Ponderosa Holsteins (Spanien) und der späteren Europameisterin und großen Favoritin „Decrausaz Iron O`Kalibra“ (Schweiz).

Auch auf der Ladies Night am 14.03.15 in Rotholz/Tirol konnten die Sprenger einen Gruppen-und einen Gruppenreservesieg einheimsen.

Anfang Mai wird ROSANNA zum 8. Mal abkalben (belegt mit ATWOOD). Ihre Mutter EDELWEISS brachte erst vor kurzem ihr 14. Kalb zur Welt und erfreut sich immer noch bester Gesundheit.

So ist es auch nicht Weiters verwunderlich, dass die Vermarktung eine große Rolle spielt. Auch Familie Sprenger berichtet über die verstärkten Auflagen der Gesundheitskontrollen und dem damit verbundenen Kostenpunkt bei 35 Stück/Jahr verkauften Tiere. Es wird fast ausschließlich über die Viehvermarktung Rotholz der Verkauf abgewickelt. Als beste Absatzregion beweist sich auch in diesem Fall das Land Südtirol!

Verwunderlich ist jedoch, dass für Stiere aus ihren bekannten Kuhfamilien keine Nachfrage besteht- so konnte für das Stierkalb 2014 von ROSANNA kein Käufer gefunden werden.

Familie Sprenger vertraut bei der Stierauswahl auf US-und CA-Stierlinien. Besonders auf tiefe Kuhfamilien wird viel Wert gelegt um die Sicherheit für den Zuchterfolg zu gewährleisten. Daher kommt der Einsatz von genomischen Bullen nicht zum Zuge. Der Einsatz von Red-Stieren erweist sich immer mehr als schwieriger, zumal wegen des hohen Inzuchtgrads aber auch der Körperqualitäts- Index schwer zu halten ist. So ist es auch nicht schwer verwunderlich, dass das Wunschziel ist, noch einmal eine perfekte Red-Holsteinkuh im Stall stehen zu haben und von dieser zu züchten.

Dass auch hier Gastwirtschaft großgeschrieben wird, bewies die „Marend-Tafel“ inmitten des Futtertisches. Ein kräftigender Kaffee und köstliche Kuchen ließen auch diesen Betriebsbesuch mit vielen Highlights ausklingen.

Müde von „Kuhaschauen“ sind/waren die Südtiroler Holsteinjungzüchter noch lange nicht und es ging im Eiltempo weiter nach Maishofen. Schon zum 5. Mal veranstalteten die Pinzgauer Jungzüchter am Samstag, 21. März das Jungkuhchampionat in Maishofen – diesmal freuten sie sich über die Beteiligung einer ebenfalls besonders schönen Haustierrasse – den Tauernschecken! Bericht nachzulesen auf www.pinzgauerrind.at.

Es war ein gelungener Ausflug mit jeder Menge guter Laune, Begeisterung & Interesse an der Viehzucht und Kameradschaft. Den beiden Betrieben „Weberhof“ und „Sprengers Holstein“ ein herzliches „Vergelt´s Gott“.

„Zusammen Brücken bauen“ ist an einem solchen Tag gelungen- Brücken zu Neuem, Wissenswertem und zu Menschen! Und jeder einzelne ist mit einem Sack voll Erfahrungen reicher nach Hause gekommen und kann mit einem breiten Grinsen behaupten: „Des wor mol wieder a ku(h)ler Ausflug…!“