Jungzüchtertreff im Ultental

Die Ultner Jungzüchter luden am Samstag, 13. April zu Betriebsbesichtigungen nach St. Walburg. 25 Jungzüchter ließen sich diesen interessanten Nachmittag nicht entgehen und trafen sich um 13.30 Uhr beim Parkplatz am Staudamm in St. Walburg, wo sie bereits vom Gebietsvertreter Heinrich Schwarz und Zuchtwart Oswald Schwarz erwartet wurden. Jungzüchterobmann Reinhard Kaserer begrüßte alle Teilnehmer und dankte Heinrich Schwarz für die Organisation des Nachmittags. Dieser hieß die Gruppe herzlich willkommen und stellte kurz das Programm vor. Anschließend beschrieb Oswald Schwarz die Landwirtschaft im Ultental. Leider fielen die schönsten Höfe dem Stausee zum Opfer und so sind die 430 Bergbauernhöfe an den Talseiten gelegen und durch steile Felder gekennzeichnet. Die Durchschnittsfläche liegt bei 4,5 – 5 ha, damit sind die meisten Bauern zum Zu- und Nebenerwerb gezwungen. Insgesamt liefern die Ultner Milchviehbetriebe 7 Mio. Liter Milch / Jahr, großteils an den Milchhof Meran, ein kleinerer Teil liefert an die Milkon.

Das Ultental ist wohl eines der urigsten Täler unseres Landes. Typische Häuser und Wirtschaftsgebäude in Holzbauweise mit Schindeldächern, als Paarhöfe und Höfegruppen prägen das Tal.

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Liebevoll saniert und erhalten präsentierte sich der Außerbachhof der Familie Gruber hoch über St. Walburg auf 1.450 m Meereshöhe. Zum Hof gehören 5 ha Wiese, 2 ha Weide und 17 ha Wald. Die gesamte Fläche ist extrem steil und schwierig zu bewirtschaften. Die Bauernfamilie lebt in drei Generationen am Hof und die 35 (!) Rechen, welche am Stadel sorgfältig aufgestapelt auf den Sommer warten, bekunden einmal mehr, dass es nur durch den Zusammenhalt der ganzen Familie möglich ist, Bergbauernhöfe zu erhalten. Bauer Hubert ist selbst geschickt beim Arbeiten mit Holz und betreibt auch noch die alte Säge, welche zum Hof gehört. Die Holzschlägerung in seinem Wald ist mühsam, und für die Renovierungen der letzten Jahre wurde einiges gebraucht. Das Einkommen vom Hof ist begrenzt und so geht er im Winter zusätzlich einem Zuerwerb nach. Der 20-jährige Sohn Tobias arbeitet als Maurer und hilft mit Freude auch am Hof mit. Vor zwei Jahren wurde der Stall umgebaut. Da die Weidefläche für die Milchkühe zu schlecht ist, und die Kühe damit das ganze Jahr über keinen Auslauf hatten, entschied sich Hubert einen Laufstall zu errichten. Der 200 Jahre alte, für das Ultental typische Stadel, bestehend aus Rundbäumen, wurde erhalten. Im Stall stehen 7 Milchkühe, 8 Stück Jungvieh und ein paar Passeirer Gebirgsziegen. Trotz des begrenzten Platzes wurde ein komfortabler und praktischer Stall errichtet, wo sich das Vieh sichtlich wohl fühlt und trotz der vielen Besucher große Ruhe herrschte. Bevor es zum nächsten Hof weiterging lud die Familie die Jungzüchter zu einer Stärkung ein.

Der Ausserpicha-Hof der Fam. Schwarz am Larcherberg liegt ebenso auf über 1.400 m ü.d.M und umfasst 6 ha Wiesen. Ein typischer Ultner Bergbauernhof mit neu errichtetem Wohnhaus im typischen Ultner Baustil und gut erhaltenen Wirtschaftsgebäuden zeugt bereits beim ersten Anblick vom Fleiß der Bauernfamilie, welche in drei Generationen am Hof lebt und arbeitet. Den Sommer über verbringen Bauer Martin und seine Familie, ebenso seine Brüder Heinrich und Oswald auf der Kuppelwieser Alm. Gemeinsam bewirtschaften sie das Gasthaus, versorgen Milchkühe, Galtvieh, sowie Schaf- und Ziegenherden. 12 Milchkühe und ebensoviel Jungvieh stehen im Stall. Über den Haltungs- und Pflegezustand konnten die Jungzüchter nur staunen. Die Kuhgruppe präsentierte sich zudem in gutem Grauviehtyp und mit sehr guten Eutern. Der Stalldurschnitt liegt bei knapp 6.400 kg Milch mit 3,75% Fett und 3,48% Eiweiß. Um die Milchkühe in Leistung und Haltungszustand zu halten, bedarf es während der Alpung einer angemessenen Zufütterung und langsamen Eingewöhnungsphase. Dass die Alpung die Grauviehkuh in ihrer Langlebigkeit fördert beweist die 14-jährige Sissi (V. Dalius). Sie kalbt in Kürze zum 12. Mal ab und weist eine Lebensleistung von über 60.000 kg Milch auf. Martin, Heini und Benjamin scheuten auch die Mühe nicht, einzelne Kühe den Besuchern vor dem Stall vorzuführen und zu beschreiben.

Abschließend ging es wieder runter ins Tal, wo oberhalb des Stausees der Wegleithof der Fam. Schwienbacher liegt. Der ursprüngliche Wegleithof war einer jener Höfe, die dem Stausee zum Opfer gefallen sind. Er wurde dann etwas oberhalb neu errichtet. Etwa 6 ha Grünland gehören zum Hof. Auf ¾ ha werden Kräuter angebaut. Jungbauer Hannes bewirtschaftet gemeinsam mit seinen Eltern Waltraud und Erhard, sowie einer Schwester den Hof, welcher in den letzten Jahren auf Kräuteranbau spezialisiert wurde. Das Angebot geht aber weit über die vielseitigen Produkte im Hofladen hinaus. Der Wegleithof ist Treffpunkt für Hofführungen, Seminare und Kurse. Auch die Wolle von Schafen und Ziegen wird auf dem Hof verarbeitet. Die gesamte Landwirtschaft am Wegleithof wird nach biologischen Richtlinien betrieben. So auch die Viehwirtschaft. Im Stall stehen 7 Kühe und ebenso viel Jungvieh der Grauviehrasse. Hannes schätzt die Grauviehrasse besonders wegen ihrer Doppelnutzung, ihrer Widerstandsfähigkeit und Weidetauglichkeit. Er sieht im Grauvieh die ideale Rasse, welche mit den natürlichen Futtermitteln auskommt und trotzdem ihre Leistung bringt. Vater Erhard betreut das gesamt Vieh den Sommer über auf einer nur zu Fuß erreichbaren Alm. Fam. Schwienbacher legt eine besondere Naturverbundenheit an den Tag und legt Wert darauf, dass sich die natürlichen Kreisläufe schließen.

Nach einem eindrucksvollen Tag bei Züchterfamilien, welche den Jungzüchtern eine besondere Heimat-, Natur- und Rassenverbundenheit vermittelt haben, luden die Ultner Jungzüchter am Wegleithof zu einer gemeinsamen Marende mit allerhand Selbstgemachtem ein. Bei originalem Ultner „Bauernbreatl“ und „Bauernspeck“ blieb kein Wunsch mehr offen! Ein besonderer Dank geht an alle Züchterfamilien für die Gastfreundschaft und an die Ultner Jungzüchter für die Organisation des Nachmittags.

Bilder (Bilder vom Wegleithof folgen!)

Martina Thaler