Grauviehkuh der Extraklasse

Dass Grauviehkühe einen enormen Überlebensdrang haben, ist hinlänglich bekannt. Dass sie aber auch Leistungen vollbringen können, die sogar ihre spezialisierten Kolleginnen vor Neid erblassen lassen, hat eher Seltenheitswert. Die HOLDE, die den Züchterstall vom Hansjörg Mairhofer, Obermarson am Larcherberg/Ulten,  im für Rinder biblischen Alter von mehr als 20 Jahren kürzlich verlassen hat, gehört  zu den Ausnahmeerscheinungen.

HOLDE bei der Grauviehausstellung am 13.Mai 2006 in Kuppelwies mit ihrem Züchter Hansjörg Mairhofer, wo sie als beste Altkuh prämiert wurde.

Vom Körperbau her war die HOLDE immer schon überdurchschnittlich, nahm auch an Schauen teil, ohne den großen Erfolg zu landen. Das beweist uns immer wieder, dass Schaukühe nicht grundsätzlich gute Wirtschaftskühe sein müssen.  Im Züchterstall aber hat die HOLDE ihre Arbeit meisterhaft verrichtet. In den 15 Abkalbungen, hat sie 7 Töchter zur Welt gebracht, die Großteils auch hervorragende Milchleistungen erbracht haben.  Schade, dass die HOLDE ihre Gene nicht über männliche Tiere verstärkt in die Grauviehpopulation weitergeben konnte. Die Klasse der HOLDE kam nicht von ungefähr, sondern wurde ihr über Mutter- und Vaterlinie vererbt. Der Vater DAMIL ist dafür bekannt, seinen Töchtern stabile Körperformen zu vererben, die auf eine längere Lebensdauer schließen lassen. Die Mutter HICKA, hat ebenfalls 10-mal abgekalbt und dabei die beachtliche Lebensleistung von 72.012 kg Milch erbracht.  Die HOLDE selbst hat ihre Mutter um Längen übertroffen und hat in den 15 Laktationen 154.194 kg Milch produziert. Zählt man die Milchleistungen von der Mutter und den Töchtern der HOLDE zusammen, erhält man die stolze Zahl von 385.166 kg Milch. Die Milchproduktion der Familie der HOLDE resultiert aus 47 Laktationsleistungen, was wiederum bedeutet, dass alle Familienmitglieder im Durchschnitt 8.195 kg Milch pro Jahr produziert haben.

Solche Tiere tragen nicht nur zum wirtschaftlichen Erfolg eines Milchviehbetriebes bei, sondern flechten eine besondere Bindung zu ihrem Besitzer. Dass die HOLDE auch so lang ihre Arbeit im Stall verrichten durfte ist auf Sorgfalt in der Haltung der Tiere durch den Züchter zurückzuführen. Hier erübrigt sich so manche Diskussion über Stallhaltung in Anbinde- oder Laufstalltechnik. Viel mehr kommt es darauf an, wie der Züchter mit seinen Tieren umgeht. Wir auf alle Fälle, ziehen vor Kuh und Züchter den Hut.

Herbert Lang – Südtiroler Rinderzuchtverband