Grauvieh in der Schweiz

Es ist noch nicht allzu lange her, als sich Südtirols Grauviehzüchter ausschließlich mit Tieren der Grauviehrasse aus dem benachbarten Tirol versorgten. Heute können Südtirols Grauviehzüchter über rege Exporte in die Schweiz berichten. Waren es im Jahr 2011 noch 120 Tiere die in die Schweiz verkauft werden konnten, so waren es im heurigen Jahr vom Jänner bis zum Juni bereits 176 Tiere, die den Weg in die Schweiz fanden. Die Schweiz, seit jeher mit der Rinderzucht eng verbunden, hat mit dem Grauvieh genau jene Rinderrasse gefunden, die alle Voraussetzungen mitbringt, um in der Rinderhaltung bzw. Rinderzucht weiterhin erfolgreich zu sein. So wie im restlichen Europa auch, sind die milchproduzierenden Bauern arg in Bedrängnis geraten. Mit dem Wegfallen der Milchquoten, ist jene Liberalisierung eingetreten, die unseren Milchbauern noch bevorsteht. Einbrüche beim Milchpreis waren die Folge, was die Schweizer Viehbauern zum Umdenken in ihrer Wirtschaftsweise zwangen. Die Alternative hieß dort aber nicht die Auflassung der Viehhaltung, sondern die Umstrukturierung des Betriebes. Das strenge Schweizer Tierzuchtgesetz zwang die Rinderzüchter für ihre großrahmigeren Milchkühe zu teurem Stallumbau. Demzufolge stand die ökonomische Überlegung an, unter Einsatz von viel Geld, den Stall den Tieren anzupassen oder die Tiere dem Stall anzupassen. So mancher Viehzüchter entschied sich dabei die Rasse zu wechseln, auf das kleinrahmigere Grauvieh umzusteigen, und von der Milchproduktion in die Mutterkuhhaltung zu wechseln.

2.v.l. Rolf Hinder, ein guter Partner für Südtirols Grauviehzüchter; Bildmitte Familie Hans-Ruedi Reinli in Bichwil/St.Gallen betreibt Mutterkuhhaltung mit 15 Grauviehtieren aus Südtirol

Dass man in der Mutterkuhhaltung ebenfalls erfolgreich sein kann, davon durfte sich eine Delegation des Südtiroler Rinderzuchtverbandes, auf Einladung von Herrn Rolf Hinder, in beeindruckender Manier überzeugen. Die Viehhandelsfirma „Hinder“ die bereits seit mehreren Generationen in diesem Geschäft tätig ist, ist selbst von den Vorzügen dieser Bergrinderrasse überzeugt. Nur so sind sie auch imstande, die guten Eigenschaften der Grauviehtiere, wie Genügsamkeit, Robustheit, Widerstandsfähigkeit und vor allem den guten Charakter den Schweizer Bauern zu vermitteln. Die Hinders sind überzeugt, dass die Grauviehtiere in der Schweiz im Bereich der Mutterkuhhaltung eine große Zukunft haben. Die problemlose Haltung der Tiere, die Leistungsbereitschaft der Muttertiere und die gute Entwicklung der Kälber lassen die Grauviehrasse im Vergleich zu ähnlichen Doppelnutzungsrassen äußerst wirtschaftlich erscheinen. 10 Monate alte Absetzer erreichen nicht selten 300 kg Fleischgewicht was das Grauvieh auch im Vergleich mit Fleischrassen konkurrenzfähig macht. Nach diesem Besuch sind Mitarbeiter und Züchtervertreter des Südtiroler Rinderzuchtverbandes von der Entwicklung der Grauviehrasse in der Schweiz sehr angetan. All dies soll die Grauviehzüchter in Südtirol motivieren, weiterhin fleißige Zuchtarbeit zu leisten, damit auch Ihre Kollegen in der Schweiz sich am Grauvieh aus Südtirol erfreuen können.

Leistungsstarke Mutterkühe aus Südtirol