Agrialp – ein Hoch auf die Rinderzucht

Ein kräftiges Lebenszeichen setzten die Rinderzüchter der Viehzuchtverbände bei der AGRIALP-Ausgabe 2013. Besonders gefordert waren die Mitarbeiter des Südtiroler Rinderzuchtverbandes, die am Vortag der Anlieferung eine Versteigerung mit mehr als 300 Tieren zu meistern hatte. Nach Abtransport der Tiere erfolgte die Reinigung der Stallungen, sodass am Freitag die Ausstellungstiere ihren zugewiesenen Platz einnehmen konnten. Die Tiere wurden über den gesamten Zeitraum von den Bauern selbst und großteils von den Mitarbeitern der Verbände vorbildlich betreut, sodass die zahlreichen Besucher der AGRIALP schicke Tiergruppen bewundern konnten. Von den Züchtern des Südtiroler Rinderzuchtverbandes wurden insgesamt 54 Tiere zur Schau gestellt. Die Züchter fieberten bereits dem Sonntag mit der Kür der Schausiegerinnen entgegen. Diese Aufgabe wurde abwechselnd von den Preisrichtern Reinhard Scherzer und Thomas Ulbing aus Österreich sehr fachkundig gemeistert. In der sehr gut gefüllten Versteigerungshalle verfolgten zahlreiche Züchter und Schaulustige das interessante Geschehen im Ring.

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Grauviehrasse: Bereits im Stall konnte festgestellt werden, dass eine sehr gute Gruppe unter der Koordinierung des Zuchtexperten Karl Zöggeler zusammengestellt wurde. Doppelnutzung, perfekte Körperformen, viel Typ und Adel sowie beste Euteranlagen wurden von der Gruppe präsentiert. Die 20 Grauviehkühe wurden in drei Gruppen eingeteilt, Erstlinkgskühe, Jungkühe und ältere Kühe marschierten stolz im Ring auf.
Die Erstmelkkühe bestachen durch sehr gute Entwicklung, und hervorragend aufgehängte Euter. Schließlich setzte sich die Galasso-Tochter Erika der Domanegg Anna-Maria vom Unterstücklhof in Jenesien vor die Emgado-Tochter Sandy vom Egger Hansjörg, Duregger in Vöran. In der 2. Gruppe stach die Dobbner-Tochter Jara vom Alber Josef, Gfrar in Vöran heraus. Sie setzte sich vor die Dalbas-Tochter Maya der Mair Renate vom Plattnerhof in Deutschnofen. Die 3. Gruppe der Grauviehkühe leitete schon den Abschluss der Reihungen ein, wobei der Preisrichter Reinhard Scherzer voll des Lobes für die Qualität der Grauviehkühe war. Er ermunterte die Züchter weiterhin konsequent Zucht zu betreiben und die Doppelnutzung ja nicht außer Acht zu lassen. In dieser Gruppe traten richtige Kaliber gegeneinander an, die die Arbeit des Preisrichters nicht einfach machten. Schlussendlich hatte die in der 4. Laktation stehende Leika vom Schöpf Norbert, Unterbrunn in Pawigl die Nase vorne. Dahinter platzierte sich die wuchtige Emnill-Tochter Lina vom Trafoier Alexander, Eggen, St. Gertraud/Ulten. Das Finale versprach viel Spannung und laut Meinung verschiedener Züchter hätte jede der drei Finalistinnen den Schausieg verdient. Doch so wie immer kann nur ein Tier an der Spitze stehen. Man wird es nicht glauben, aber auch Kühe verstehen, wann es darum geht sich in den Mittelpunkt zu stellen. Fiel die Erstlingskuh Erika in der Kategorienvorführung noch durch ihren jugendlichen Übermut auf, so verstand sie und ihr Vorführer auch, dass der große Moment des Sieges kommen konnte. So war es dann auch. Der Preisrichter war von der Ausgewogenheit, der Harmonie aller Körperteile so beeindruckt, dass er der Erika den Titel Miss-Grauvieh zugestand. Die Gruppe der Grauviehrasse wurde durch einen prächtigen Zuchtstier ergänzt. Der Test-Stier Dobbdam (Dobbner X Damil) zog im Stall viel Aufmerksamkeit auf sich. Ausgestellt wurde der Stier vom Grauviehzuchtverein St.Walburg/Ulten und wurde vom Stierhalter Bernhard Staffler bestens auf dieses Event vorbereitet. Des Weiteren konnte eine Mutterkuh mit Kalb und zwei Ochsen des Qualitätsfleischprogramms „Graues Geisler Rind“ besichtigt werden. Diese, die Fleischkomponente zeigenden Tiere animierten zu zahlreichen Fachgesprächen auch außerhalb der Provinz und zeigten das Potential der Grauen Rasse in Bezug auf die Fleischproduktion in beeindruckender Manier auf.

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Galasso-Tochter Erika von Domanegg Anna Maria, Unterstückl, Jenesien

Holsteinrasse: Stand man am Sonntagvormittag hinter der Reihe der Holsteinkühe, so wirkte es als sei man bei einer internationalen Messe, an der nur Tiere höchsten Niveaus teilnahmen. Wahrscheinlich sind die Holsteintiere jene, die in den letzten Jahren qualitativ in Körperbau und Leistung, den größten Sprung gemacht haben. Auch diese 17 Tiere wurden in drei Gruppen eingeteilt, 7 Erstlingskühe, 6 Jungkühe und 4 Altkühe. Die professionelle Vorführung der Holsteintiere hat mittlerweile internationales Niveau erreicht. Die Tiere bewegen sich im Ring in Harmonie mit ihren Vorführern. Bei den erstlaktierenden Kühen setzte sich die in allen Belangen perfekte und zugleich jüngste Kuh Alaska, eine Hvezda-Tochter aus dem Stall von Willi Seiwald aus Gsies vor die enorm entwickelte Fantasy des Werner Watschinger aus Sexten. Die 2. Gruppe wurde von der extrem im Milchtyp stehenden Zweitmelkkuh Talent-Ostara dominiert. Dahinter setzte sich die leistungsstarke Marese vom Walter Reiterer, Moser in Flaas/Jenesien durch. Bei der 3. Gruppe hieß die Siegerin Heidi aus dem Stall des Franz Josef Überegger, Wastner in Freienfeld. Auch hier versprach das Finale spannend zu verlaufen, obwohl der Preisrichter Thomas Ulbing schon in den Reihungen von einem Tier besonders angetan war. Alaska aus Hvezda, Ostara aus Talent und Heidi aus Paonie, so hieß die Finalpaarung. Jetzt zeigte sich was Erfahrung im Schauring heißt, wenn perfekte in Hochform stehende Tiere entsprechend professionell vorgeführt werden. Die Siegerin konnte somit nur Talent Ostara vom Hubert Rainer aus Winnebach heißen. Es war schon beeindruckend, mit welcher Souveränität sich das Tier im Schauring bewegte. An diesem Tag hätte die Ostara so manchen Ring renommierterer Schauen dominiert.

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Talent-Ostara von Rainer Hubert, Hanzer, Innichen

Pinzgauerrasse: 12 Tiere aus 12 Züchterstallungen stellten sich an dieser AGRIALP dem Publikum. Diese für Südtirol und besonders für das Pustertal traditionelle Rinderrasse war auch dieses Jahr das Sahnehäubchen auf der Torte. Mitmischen konnten heuer aber auch Züchter aus Lajen und Dorf Tirol, die sich der Pinzgauerzucht verschrieben haben. Schon der Erstauftritt der Erstlingskühe im Schauring, ließ den Preisrichter zum Ausspruch verleiten, dass es sich bei den Pinzgauern um die schönste Rinderrasse handle, was von den Zuschauern mit Applaus quittiert wurde. Heuer war es ein leichtes, hervorragende Erstlingskühe zur Schau zu stellen, die mit allen Rasseeigenschaften und besten Euteranlagen ausgestattet waren. Die Gruppe der 6 Erstlingskühe war sehr einheitlich, sodass es dem Preisrichter kein Leichtes war, ein Siegertier zu ermitteln. Nach genauester Prüfung setzte er die Lotus-Tochter Enzian vom Thomas Aichholzer, Riedhof in Gsies an die Spitze. Knapp dahinter platzierte sich die Krone, ebenfalls eine Lotus-Tochter vom Hermann Kirchler, Meraleiter in Ahornach. Nachdem die Tiere nur in 2 Gruppen eingeteilt wurden, gestaltete sich die 2 Gruppe in Bezug auf das Alter der Tiere etwas inhomogen. Das jüngste Tier stand in der 2 Laktation, das Älteste in der 5 Laktation. So wie bei den Holsteins, zeigte sich auch hier, dass Tier und Vorführer eins sind und damit einen sicheren Sieg einfahren. So von der Biston-Tochter Flora und ihrem Züchter und Vorführer Paul Stolzlechner vom Niederkoflhof in Steinhaus/Ahrntal zum Besten gegeben. Auch auf den Rängen waren sich die vielen Züchter einig, dass heute nur die Flora den Titel einer AGRIALP-Siegerin bei den Pinzgauern erringen kann. Preisrichter Scherzer, der selbst bester Kenner der Pinzgauerzucht ist, lobte den Weg, den Südtirols Züchter in der Pinzgauer Rinderzucht gegangen sind und munterte Züchter und Verband auf, diesen erfolgreichen Weg weiter zu verfolgen.

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Flora, Biston-Tochter, von Paul Stolzlechner, Niederkofl, St. Jakob im Ahrntal

 

Ausstellungskollektionen mit Reihungsergebnis

Bilder

Gedankt sei an dieser Stelle den Züchtern, die ihre wertvollen Tiere zur Schau gestellt haben. Den Zuchtwarten Karl Zöggeler, Philipp Kaser und Gerd Oberarzbacher für die Vorauswahl der Tiere, die bestens geklappt hat. Aber auch allen Mitarbeiter/innen die mit viel Herzblut an dieser Schau tatkräftig mitgearbeitet haben.